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A Real Pain

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Wertung der Originalkritik: 2,5/5

Sympathisches Road-Movie, das nie die richtige Balance zwischen Tragik und Komödie findet

„A Real Pain“ ist nach „When You Finish Saving the World“ die zweite Regiearbeit von Jesse Eisenberg. Wie schon in seinem Erstling, der eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung thematisierte, widmet sich der „The Social Network“-Star auch hier wieder einer Familiengeschichte. Dieses Mal steht jedoch das Spannungsfeld zwischen familiären Bindungen, kulturellem Erbe und der Komplexität jüdischer Identität im Mittelpunkt – alles im Gewand einer Road-Movie-Tragikomödie. Vor einigen Jahren beleuchtete auch Noah Baumbach in „The Meyerowitz Stories“ die Herausforderungen jüdischer Identität im modernen Leben durch familiäre Dramen, neurotische Protagonisten und charmanten, introspektiven Humor. Doch wo Baumbach stilsicher Tragik und Komödie in Einklang brachte, stolpert Eisenberg: Es gelingt ihm nicht, die beiden Elemente organisch in Einklang zu bringen.

David (Jesse Eisenberg) und Benji (Kieran Culkin) könnten nicht unterschiedlicher sein. David, ein neurotischer und sich ständig selbst hinterfragender Familienvater, lebt ein zurückgezogenes Leben. Benji hingegen ist ein lockerer, sarkastischer Freigeist, der die Welt mit einem ironischen Augenzwinkern betrachtet und keinerlei Konventionen anerkennt. Nach dem Tod ihrer gemeinsamen Großmutter, die einst vor der Verfolgung durch die Nazis nach Amerika geflohen war, reisen die beiden Cousins nach Polen. Ihr Ziel: eine jüdische Kulturerbe-Tour, die ihnen helfen soll, ihre Familiengeschichte und kulturellen Wurzeln zu verstehen.

Fehlende Balance zwischen Tragik und Komödie

Es ist bezeichnend, dass „A Real Pain“ immer dann am stärksten ist, wenn Jesse Eisenberg („Der Tintenfisch und der Wal“) nur eine tonale Richtung seiner Tragikomödie bedienen muss. So erwartet man nach der ersten Viertelstunde noch einen deutlich beschwingteren und witzigeren Film: Beim Zusammentreffen der beiden grundverschiedenen Cousins bis zum Start der Tour in Polen darf Kieran Culkin („ Succession “) noch eine volle Breitseite staubtrockenen Humors abfeuern. Das Zusammenspiel mit der konträren Figur von Jesse Eisenberg sorgt hier gleich für einige gute Lacher.

Eine weitere starke Szene ist der Besuch eines Konzentrationslagers. Hier lässt Regisseur und Autor Eisenberg Stille zu, selbst das sonst so flinke Mundwerk von Benji bleibt geschlossen. Eine berührende Szene, die auch gerade deswegen funktioniert, weil sie nicht durch einen ironischen Kommentar von Benji oder ein Wortgefecht der beiden Cousins unterbrochen wird.

Sobald Emotionalität und Witz jedoch Hand in Hand gehen sollen, wird die Schwäche des Films offensichtlich: Eisenberg findet nie die richtige Balance zwischen beiden Extremen. Um als Komödie durchgehend zu unterhalten, ist „A Real Pain“ nach der ersten Viertelstunde einfach nicht mehr witzig genug. Und die emotionale Tiefe leidet stark darunter, dass der Regisseur und Autor sich oft zu sehr auf die humorvollen Schlagabtausche verlässt und keins seiner Themen wirklich ausdiskutiert. „A Real Pain“ schwankt zwischen persönlichem Drama und einer Reflexion über kulturelles Erbe, ohne sich für eines der beiden Elemente klar zu entscheiden. Das führt dazu, dass der Film oft ziellos wirkt. Einige Szenen, insbesondere im letzten Drittel, fühlen sich wie Wiederholungen an und rauben dem Film die Dynamik.

Auf Kieran Culkin kann sich Jesse Eisenberg verlassen

Dabei kann Jesse Eisenberg voll auf Kieran Culkin bauen. Der trägt den Film mit seiner einnehmenden Performance über so manche Unebenheit im Drehbuch hinweg. Benji ist zwar im Grunde nur eine Variation von Culkins Figur Roman Roy aus der Hit-Serie „ Succession “ – die erweckt er aber in Perfektion zum Leben, besticht auch in „A Real Pain“ durch Scharfzüngigkeit, verlotterten Charme und emotionale Vielschichtigkeit.

Eisenberg selbst liefert eine gute und engagierte, letztendlich aber maximal überraschungsarme Performance. Sein neurotischer, stets leicht überforderter Charakter ist nicht mehr als ein Abziehbild der typischen Eisenberg-Figur, die wir aus „The Social Network“, „Zombieland“ und vielen anderen Filmen kennen.

Von den Nebendarstellern kann sich in den 90 Minuten leider keiner ins Gedächtnis spielen. Das liegt aber wiederum mehr am Drehbuch als an den Schauspielern selbst. Die Figuren bleiben einfach zu blass, zu gleichgültig. Der brave britische Tourleiter James (Will Sharpe) ist viel zu farblos, um für emotionale Kontraste zu sorgen. Und auch der Rest der Reisegruppe um Witwe Marcia (Jennifer Grey) bleibt eine Randnotiz.

Fazit: „A Real Pain“ ist ein Film, den man einfach nur mögen möchte. Jesse Eisenberg liegt die Grundthematik spürbar am Herzen. Seine Figuren sind ebenso sympathisch wie der trockene Humor. Doch der Regisseur/Autor scheitert immer wieder an der Balance zwischen bitterer Tragik und Witz. Die Ansätze sind in beide Richtungen vielversprechend – das Zusammenspiel funktioniert jedoch nur selten. Dadurch weiß „A Real Pain“ leider weder so richtig zu unterhalten noch zu bewegen. Da hilft es auch nur bedingt, dass Kieran Culkin allen Lorbeeren gerecht wird und eine fantastische Performance abliefert.

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