| Rampage (2009) © Boll KG/Phase 4 Films |
Bevor der Film des Abends dann über die Leinwand flimmerte, erklärte Boll noch, was für ein Kraftakt es gewesen sei, das nötige Kleingeld für den Abschluss der Rampage-Reihe zusammen zu bekommen (per semi-erfolgreichem Crowdfunding) und wie kaputt die Filmbranche überhaupt sei. Kleine Filme seien nicht mehr zu finanzieren, außer der finanzielle Verlust wäre bereits eingeplant – und da er sowieso genug Geld auf der hohen Kante habe und seine wichtige Botschaft an die Welt, verstimmlicht von Bill Williamson, dem Hauptprotagonisten der Rampage-Filme, nun durch den letzten dieser "politisch wichtigen" Filme vollständig in die Welt getragen sei, betonte Boll noch einmal lautstark, dass seine Karriere als Filmemacher nach Rampage 3 endgültig beendet sei. Dabei wirkte er, wie so oft, wie ein beleidigtes Kind, mit dem niemand spielen will und das deswegen trotzig erklärt, dass es eh lieber alleine spiele.
Mit seiner mehr als offenen Art und seinen drastischen Äußerungen hatte Uwe Boll bei mir immer einen kleinen Stein im Brett. Irgendwo zwischen unterhaltsam, polarisierend, wildem Kopfschütteln und Gedanken á la "Oh, da hat er 'nen Punkt", pendelte sich meine Meinung über den Regisseur aus Wermelskirchen ein und insgesamt gehörte ich nie zu denen, die auf Boll und sein filmisches Schaffen einschlugen. Im Gegenteil, ich habe immer nach den wenigen Perlen gesucht. Postal, Rampage I & II, Assault on Wall Street und Darfur haben mir dabei sogar recht gut gefallen, womit Boll, in meinen Augen, die Prädikatisierung als "deutschem Ed Wood" beim besten Willen nicht verdient hat – auch wenn sich in seiner Vita wirklich grauenhafte Machwerke finden lassen.
Auf Rampage 3: President Down habe ich mich auf jeden Fall gefreut und war gespannt, was Boll uns als sein "Vermächtnis" präsentieren würde. Und dann brach dieser Film über uns herein...
Handlung: Bill Williamson (Brendan Fletcher), der in den ersten beiden Teilen aus Frustration über die Gesellschaft, das politische System und die Reichen und Mächtigen zunächst Amok gelaufen war und dann einen ganzen Fernsehsender als Geiseln genommen und schließlich in die Luft gejagt hatte, hält sich in einem unterirdischen Versteck in einem abgelegenen Wald versteckt und plant dort seinen finalen Schlag gegen die Führung der USA. Wie der Titel des Films bereits verrät, ist dies die Ermordung des Präsidenten – inklusive Vizepräsident und Verteidigungsminister. Dies gelingt Bill auch (Leider Off Screen...), woraufhin die Welt in Panik gerät und sich daraufhin alle verfügbaren Kräfte auf die Suche nach dem Mörder des Staatsoberhaupts begeben. Leiter dieser Aktion sind die FBI-Agenten Vincent Jones (Ryan McDonell) und James Molokai (Steve Baran), die nach einiger Zeit dann auch auf die Spur von Bill Williamson, den die ganze Welt für tot gehalten hatte, kommen. Währenddessen schwingt dieser hochtrabende und plakative Reden in seine Kamera und verbringt noch ein wenig Zeit mit seiner Freundin und seinem Kind, bevor es auf die große obligatorische Konfrontation zwischen FBI und Bill hinausläuft...
| Rampage: Capital Punishment (2014)
© Event Film Distribution/Phase 4 Films
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Doch wenn man von Darstellern, Handlung und Dialogen absieht, bleibt das, was die Rampage-Reihe ausmacht und wo auch Regisseur Boll die Prioritäten setzte: politische Botschaften vermittelt durch drastische und abschreckende Gewaltdarstellung – und was in den beiden vorherigen Teilen noch ganz gut funktionierte, wirkt hier nur noch plakativ und plump. Immer wieder setzt Bill Williamson sich vor seine Videokamera, erklärt die Korruptheit der Obrigen und ruft zu "Kill the Rich!" auf. Boll versucht seine Botschaften mit dem Holzhammer in die Köpfe der Zuschauer zu prügeln und beschränkt sich nicht auf den Pfahl, sondern winkt gleich mit dem gesamten Zaun. Nichts bleibt kryptisch, alles wird dem Publikum direkt auf die Nase gebunden. (Und die Diskussion, ob man gut gemeinte "politische" Aussagen, durch einen Amokläufer als Sympathiefigur herausposaunen muss, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst beginnen.)
Den letzten Hoffnungsschimmer für den Film stellen also Action und Gewalt dar, die in einem Film über einen Terroristen ja zur Genüge vorhanden sein sollten. Doch auch dieser Aspekt enttäuscht auf ganzer Linie. Nachdem bereits der Mord am Präsidenten Off Screen passiert war, beschränkt sich Boll zunächst für eine Stunde oder mehr auf die (schlecht geschriebenen) Charaktere, lässt sie Reden schwingen und gestelzt Interagieren. Erst zum Ende kommt es zum extrem enttäuschenden Showdown, in welchem das fehlende Budget mehr als deutlich wird. Hier werden immer wieder Szenen recycelt, die 20 Statisten in SWAT-Uniformen sterben mehrmals und Blut gibt es auch nahezu keins zu sehen. Die Waffen wirken nicht mal im Ansatz echt und der Sound (wie auch der Soundtrack) ist unterirdisch. Auch hier enttäuscht das Boll-Machwerk also auf ganzer Linie. Den Schlusspunkt setzen dann die obligatorischen Tode der Hauptpersonen, deren langgezogener Charakteraufbau keinerlei emotionalen Payoff erhält. Hier zeigt sich, deutlicher als ich es je zuvor in einem Boll-Film gesehen habe, schludriges und unmotiviertes Screenwriting. Damit stellt Rampage 3: President Down insgesamt den peinlichen Abschluss einer Trilogie, die – für Uwe Bolls Filmographie – recht vielversprechend gestartet war.
Von mir gibt es dementsprechend keinerlei Sehempfehlung. Ich kann hier nur 2 von 10 Punkten geben und die sind allein für Brendan Fletchers wiederholt einigermaßen sehenswerte Darstellung des psychopathischen Bill Williamson.
| Dr. Uwe Boll, der Thorsten Legat des Films |
Uwe Boll scheint dies nicht bewusst zu sein, er hält seinen, laut eigener Aussage, letzten Film für wahnsinnig wichtig. Die Schwächen scheinen ihm dabei durchaus bewusst zu sein, was wenige humorvolle Äußerungen zur Story durchblicken ließen, doch blockte Boll auch nahezu sämtliche Fragen zum Film ab und konzentrierte sich auf seine drastischen, lauten und teilweise wirren politischen Botschaften. Keiner von uns würde friedlich in seinem Bett sterben, globale Erwärmung oder Terror würden uns in die Quere kommen, Trump würde auf jeden Fall US-Präsident werden und es müsse endlich ein Ruck durch Deutschland und die ganze Welt gehen.
Für mich bleibt Boll nach diesem Abend ein Mensch mit dicken Eiern, der seinen Standpunkt – der grundsätzlich auf guten Überlegungen basiert – mit breiter Brust vertritt. Damit ist er für mich nicht der "Deutsche Ed Wood", sondern vielmehr der Thorsten Legat der Filmbranche. Von Boll wird man auch in Zukunft bestimmt noch einiges hören, auch wenn (zunächst) nicht mehr in Form von Filmen – was nach Rampage 3 vielleicht auch besser ist. Denn eines hat er auch nach 32 Filmen mit insgesamt über 600 Millionen Dollar Budget nicht verstanden: dass es für einen guten Film vor allem auch eine gute und glaubhafte Geschichte braucht und nicht in erster Linie Gewalt, plakative Aussagen und teure Hollywoodstars.
... und wer Uwe Boll noch nie hat hassen hören, hier einmal seine Meinung zu Hollywood und seinen Stars:



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