Trotz starkem Auftakt und intensivem Finale sorgt das verschenkte Potenzial für hängende Mundwinkel
Ein Lächeln steht für Glück, Zufriedenheit und Freude – aber was, wenn es zum Vorboten des Grauens wird? Wie schon der supererfolgreiche Vorgänger (217 Millionen Dollar Einspielergebnis bei einem Budget von nur rund 17 Millionen Dollar) spielt auch „Smile 2 – Siehst du es auch?“ mit dieser Umkehrung und versucht, die beunruhigende Wirkung des unheimlichen Grinsens aus dem ersten Teil fortzusetzen. Aber kann die gleiche, leicht variierte Formel erneut so erfolgreich für Schockmomente sorgen oder hat sich der Schrecken schon jetzt abgenutzt? Vorweg: Eine klare Antwort fällt schwer. Obwohl der Horror-Thriller stark beginnt und vielversprechende Ideen wie den Kampf eines internationalen Popstars gegen den Fluch im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit einbringt, verliert Parker Finns Sequel sich schnell in sich wiederholenden Mustern und strapaziert so über weite Strecken die Geduld des Publikums.
„Smile 2“ setzt sechs Tage nach dem Finale des ersten Teils an. Ex-Cop Joel (Kyle Gallner) musste den Selbstmord seiner Ex Rose mit ansehen und jetzt den grinsenden Todesfluch loswerden. Wir erinnern uns: Die vom „Smile“-Fluch betroffene Person wird von Halluzinationen einer gruseligen, breit grinsenden Entität heimgesucht. Diese manipuliert das Opfer so lange, bis es Suizid begeht – vor den Augen einer oder mehrerer anderer Personen, die fortan den Fluch weitertragen. Joel jedenfalls gibt den Fluch weiter und mit einer Zwischenstation landet er bei Popstar Kayla (stark: Naomi Scott). Während sie sich noch immer mit den Folgen eines Autounfalls vor einem Jahr kämpft, bei dem ihr Freund Paul Hudson (das Grinsen hat er von Papas Rolle in „The Shining“ geerbt: Jack Nicholsons Sohn Ray Nicholson) ums Leben kam, und sich auf ihre anstehende Welttournee vorbereitet, beginnt sie überall das tödliche Grinsen zu sehen …
Eröffnungssequenz beinahe auf „Scream“-Niveau
Die Eröffnungssequenz von „Smile 2“, in der Joel den Fluch weitergibt, ist ein früher Paukenschlag und erinnert stellenweise an den legendären Auftaktakkord der „Scream“-Reihe. Schockierend und perfekt getimed schmeißt dieser clevere Beginn den Zuschauer mit voller Wucht zurück ins „Smile“-Universum und macht Lust auf die folgenden mehr als zwei Stunden.
Doch das war es dann auch erst mal mit gutem Timing und wirklich überzeugend inszenierten Schockmomenten – in der folgenden Stunde nimmt Regisseur Parker Finn das Tempo radikal raus und etabliert die Welt von „Smile 2“. Die Idee, einen Popstar in den Fokus zu rücken, der den tödlichen Fluch vor den Augen der ganzen Welt bekämpfen muss, ist dabei eine vielversprechende Herangehensweise: Der Kampf gegen das Böse wird nicht mehr in stillen, dunklen Ecken ausgetragen, sondern unter dem grellen Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Die Verlagerung des Horrors in die moderne Welt, in der nichts mehr privat bleibt, bietet extrem viel Potenzial. Genutzt wird das aber leider viel zu selten.
Viel Potenzial, viel Leerlauf
Im Mittelteil verwendet Parker Finn viel Zeit auf die Auseinandersetzung mit der labilen Psyche von Kayla und oberflächlicher Medienkritik. Unterbrochen wird das ab und zu von Horrormomenten in Form einer diabolisch grinsenden Person, die Kayla bedrängt – oder einem sich lange ankündigenden Jump-Scare.
Und während die psychologische Auseinandersetzung nie so tief schürft, dass man wirklich Mitgefühl oder Faszination empfindet und auch die Medienkritik höchstens an der Oberfläche kratzt, funktionieren leider nicht mal die zu selten aufblitzenden Schockmomente: Jeder Jump-Scare setzt auf das altbekannte „Stille -> lautes Geräusch -> Erschreck dich!“-Schema. Das ist vorhersehbar und nutzt sich schnell ab.
Die Grinse-Grimasse des „Smile“-Fluches ist dagegen nach wie vor wirklich creepy – so wirklich schocken will dann aber das x-te breite Todeslachen auch nicht mehr. Der Weg zum Finale wird so leider zu zäh. Die Entscheidung, „Smile 2“ mit einer für einen Mainstream-Schocker ausufernden Länge von rund 130 Minuten in die Kinos zu bringen, rächt sich.
Visueller Schongang vs. schauspielerisches Highlight
Ein Manko, das „Smile 2“ von seinem Vorgänger geerbt hat, ist die visuelle Einfallslosigkeit. Ja, das Lächeln ist creepy und auch das Creature Design in beiden Showdowns überzeugt. Aber das war es dann aber auch schon an visuellen Einfällen. Konnte Teil eins immerhin stellenweise noch mit einer gewissen Grittyness punkten, ist „Smile 2“ Hochglanz-Horror durch und durch, was stark auf Kosten einer wirklich unheimlichen Atmosphäre geht.
Das Zielpublikum ist – trotz 18er Freigabe – wohl die 16- bis 18-jährige TikTok-Generation, bei der auch das so vorhersehbar gewordene Stilmittel des Jump-Scare noch funktionieren mag. Die Ausrichtung ist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten verständlich, langjährige Horrorfans lockt man mit Hochglanzoptik und auf den schnellen Effekt ausgerichteten, plumpen Jump-Scares aber nicht von der Couch in den Kinosaal. Oder lässt sie zumindest nicht zufrieden wieder den Heimweg antreten.
Einen Lichtblick gibt es aber auch im sonst so zähen Mittelteil: Naomi Scott („Aladdin“) holt aus dem Drehbuch das Maximum raus und verkörpert die im Rampenlicht so glamourös wirkende, im privaten aber mit ihren Dämonen kämpfende Kayla wirklich überzeugend. Sie schafft es, ihrer Figur eine emotionale Tiefe zu verleihen, obwohl sie sowohl von Drehbuch als auch von Inszenierung nur wenig Grundlage dafür bekommt.
Das Finale: eine gelungene Eskalation
Hat man den langatmigen Mittelteil geschafft, wird man als Zuschauer immerhin noch mit einem überzeugenden Finale belohnt. Hier wird es wirklich noch einmal intensiv – in den letzten 20 Minuten geht es plötzlich Schlag auf Schlag und das schon überzeugende Finale des ersten Teils wird noch einmal deutlich getoppt. Ein Highlight ist hier erneut das wirklich schaurige Creature Design.
Atemlos hetzt der Film dann auf den finalen Schockmoment zu, der dann nochmal ein schöner Schlag in die Magengrube ist.
Fazit: Wie viel Potenzial in „Smile 2“ steckt, zeigen Einleitungssequenz und Finale. Hier wird das tödliche Halluzinationen-Konzept wirklich mal gut und effektiv genutzt. Der Horror entsteht aus einer intensiven Grundstimmung und schockierenden Bildern – nicht wie zuvor aus billigen Jump-Scares und einem breiten Grinsen nach dem anderen. Auch die Grundidee des verfluchten Weltstars ist und bleibt super, auch wenn dabei so viel Potenzial unausgeschöpft bleibt.
Schade, dass der Mittelteil so uninspiriert und schleppend geraten ist. So geht man nach dem Finale vielleicht mit einem Grinsen aus dem Kinosaal – schaut man sich dann das Gesamtbild an, gehen die Mundwinkel aber schnell wieder nach unten.
Was soll‘s: Die Zielgruppe strömt zur Halloween-Zeit in den Hype-Horrorfilm des Herbstes, der Ausbau zur Trilogie ist nur eine Frage der Zeit. Das Potenzial der Reihe ist erkennbar – wird Zeit, es auch zu nutzen.

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