Der Rolling Stone hat die 200 besten Rocksongs des 21. Jahrhunderts gekürt. Und wer schon immer wissen wollte, ob Taylor Swifts zehnminütiges „All Too Well“ ein besserer Rocksong ist als „Chop Suey!“ von System of a Down, bekommt endlich Gewissheit: Platz 33 vor Platz 34. Na dann.
Klar: Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über Genregrenzen ebenso. Aber was hier als ultimative Rock-Bestenliste verkauft wird, wirkt stellenweise eher wie eine recht prätentiöse Indie-Playlist, in die man vorsichtshalber noch ein paar Metal- und Punkbands geschmuggelt hat. Jay-Zs „99 Problems“ landet auf Platz acht der besten Rocksongs (!). Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Außer vielleicht, dass wir hier angeblich über Rockmusik sprechen.
Besonders absurd wird es bei Paramore: „That’s What You Get“ steht auf Platz zwölf, während das ungleich prägendere „Misery Business“ komplett fehlt. Ausgerechnet jener Song also, dem Rodrigos deutlich höher platzierter Hit musikalisch einiges verdankt.
Und dann wären da noch die zahlreichen Leerstellen. Kein „American Idiot“ für Green Day, kein „The Pretender“ für Dave Grohl und seine Foo Fighters. Auch Muse verzichten unfreiwillig auf „Knights of Cydonia“ und „Hysteria“, während die White Stripes mit „Fell in Love with a Girl“ einen der wichtigsten Songs des Garage-Rock-Revivals beisteuern könnten. Während Blink-182 mit „The Rock Show“ auf Platz 58 landen, dümpeln Sum 41 mit „Fat Lip“ auf 170 und Yellowcard mit „Ocean Avenue“ auf dem allerletzten Platz herum. Immerhin: „Welcome to the Black Parade“ auf 16, „Sugar, We’re Goin Down“ auf 20 und „The Middle“ auf 25 zeigen, dass der Rolling Stone diese musikalische Ära nicht vollständig vergessen hat.
An der Spitze steht übrigens „Maps“ von den Yeah Yeah Yeahs. Ein guter Song, über dessen Spitzenposition man sich aber nochmal unterhalten sollte.
Noch wesentlich schwerer zu erklären ist allerdings, nach welchen Maßstäben hier überhaupt bewertet wurde. Mal zählt der kulturelle Einfluss, mal musikalische Originalität, mal offenbar schlicht der persönliche Geschmack der Redaktion.
Wie bei eigentlich allen Rolling-Stone-Listen gilt also auch hier: Als Anregung zum Entdecken funktioniert die Liste. Genauso als Rage Bait.
Als Bestandsaufnahme eines Vierteljahrhunderts Rockmusik ist sie vor allem ein ziemlich prätentiöses Stück Humbug.

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