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Final Destination: Bloodlines

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Wertung der Originalkritik: 3/5

In diesem Artikel

Mit Horror hat das endgültig nichts mehr zu tun – aber es macht einen Heidenspaß!

Was schießt euch durch den Kopf, wenn auf der Autobahn vor euch ein LKW mit Baumstämmen oder ähnlich schwerer Ladung fährt? Falls ihr im Jahr 2003 im empfänglichen Alter für Leinwand-Horror wart, wird es definitiv die Eröffnungssequenz von „Final Destination 2“ sein. Stimmt’s? Die clevere Idee des „überlisteten Todes“, der mit kreativ-fiesen Rube-Goldberg-artigen Kettenreaktionen seine geplanten Opfer doch noch holt (wie in besagter Sequenz eben durch eine Ladung Baumstämme, die sich von einem LKW lösen), traf den Geschmack des Kinopublikums so sehr, dass sich die erst im Jahr 2000 gestartete „Final Destination“-Reihe eigentlich schon 2003 im kulturellen Gedächtnis festgemetzelt hatte. Was danach folgte, war größtenteils durchwachsen. Schon mit „Final Destination 3“ aus 2006 wurden Figuren und Handlung deutlich flacher. Mit dem im hässlichsten Digitallook produzierten vierten Teil, der seine unsympathischen Protagonisten endgültig zu Steigbügelhaltern für die ebenfalls enttäuschend entworfenen Tode degradierte, war der Tiefpunkt der Reihe erreicht. Das damals so hippe 3D-Gimmick macht den Film heutzutage dazu fast unguckbar.

Umso überraschender, dass mit Teil 5 der beste Teil der Reihe wartete: Sympathische Charaktere, die bisher kreativsten Kills, unerwartete Wendungen und ein Finale, das einen schönen Bogen zum ersten Film schlug. Schade, dass „Final Destination 5“ für 14 Jahre tatsächlich die Final Destination der Filmreihe sein sollte. Jetzt aber „Final Destination 6: Bloodlines“. Wie präsent das Franchise noch immer im kulturellen Gedächtnis ist, zeigt, dass schon der erste Teaser einen gewissen Hype kreieren konnte. Aber ist der gerechtfertigt oder gibt’s nur einen müden Abklatsch einer alten Idee für ein neues Publikum?

Darum geht’s in „Final Destination: Bloodlines“

Im Zentrum der Geschichte steht die College-Studentin Stefani (Kaitlyn Santa Juana). Sie leidet unter Albträumen über einen mysteriösen Turmeinsturz in den 60er-Jahren, bei dem ihre Großmutter Iris (Gabrielle Rose) nur knapp dem Tod entkam. Als Stefani der Sache nachgeht, wird sie mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert – und mit einem unausweichlichen Todesplan, der Generationen überspringt.

Slapstick mit Blutfontänen

Wer bei „Final Destination 6: Bloodlines“ klassischen Horror erwartet, hat die Reihe nicht verstanden. Hier sollte man sich nie wirklich gruseln, sondern schockiert (und natürlich auch unterhalten) sein von den Todessequenzen. Die sind so absurd, teilweise grotesk, dass man sie gar nicht ernstnehmen kann. Wenn der Tod erst Feuer und Messer schickt, nur damit dann in dem Moment, wo eigentlich alles überstanden scheint, eine Leiter die Aufgabe übernimmt, dann siegt das hämische Grinsen schnell über ängstliches Wegducken.

Doch „Final Destination 6: Bloodlines“ setzt dem die Krone auf. Mit Horror hat die späte Fortsetzung endgültig nichts mehr zu tun – „Bloodlines“ ist reine Splatter-Comedy. Mit der Betonung auf Comedy. Dem muss man sich bewusst sein – und dann macht es einfach nur noch Spaß, darauf zu warten, wie sich eine Szene entwickelt. Welcher Gegenstand kippt, welches Kabel funkt, welche Flüssigkeit tropft. Man denkt sich: „Ah, da ist das spitze Ding. Jetzt muss nur noch jemand stolpern.“ Und wenn’s dann passiert? Dann ist es trashig, blutig, völlig übertrieben – und genau deswegen so unterhaltsam.

Too much Mythologie!

An den wichtigsten Punkt eines „Final Destination“-Films, die Todesszenen, können wir damit einen dicken Haken setzen – das Regieduo Zach Lipovsky und Adam Stein („Kim Possible“) inszeniert ein paar der besten Kills der ganzen Reihe. Dass es aber nicht funktioniert, wenn man sich einzig und allein darauf verlässt, zeigte der vergurkte vierte Teil. „Bloodlines“ will im Vergleich dazu leider etwas zu viel.

Produzent Jon Watts („Spider-Man: Homecoming“), der die Story lieferte, und seine Autoren Guy Busick und Lori Evans Taylor erweitern die Mythologie um den überlisteten Tod – und überladen sie. Schon in Teil 5 wurde angedeutet, dass man dem Tod entkommen kann, wenn man jemand anderen tötet und dadurch dessen Lebenszeit übernimmt. In „Bloodlines“ wird das nun offiziell bestätigt, diskutiert, ironisiert – was noch ganz gut funktioniert. Aber zusammen mit der neuen Idee, dass der Tod es nun auf ganze Blutlinien abgesehen hat, wird es einfach too much Mythologie.

„Final Destination“ war immer dann am stärksten, wenn es sich auf das konzentriert hat, was es kann: Menschen auf kreative Weise um die Ecke bringen – ohne Erklärbärmodus.

Mehr Tiefe, aber trotzdem flach

Neben der überbordenden Mythologie trüben auch die klischeehaften Figuren den Spaß am kreativen Gesplattere etwas. Zwar bekommen die meisten Hauptfiguren eine mehr oder weniger umfangreiche Hintergrundgeschichte – allen voran Stefani und ihre Großmutter Iris. Aber das macht sie leider nicht viel glaubwürdiger. Die Dialoge sind oft holzschnittartig, die Beziehungen wirken konstruiert und letztlich bleiben alle Figuren funktionale Killschablonen. Bestes Beispiel ist der völlig als Klischeebild eines Rockers angelegte Erik (Richard Harmon), der NATÜRLICH in einem Tattoostudio arbeitet und NATÜRLICH ein Intimpiercing trägt – was aber immerhin bei einem der besten Kills im Film zum Einsatz kommt.

Man erkennt immerhin, dass versucht wurde, mehr aus den Figuren zu machen als in Teil 3 und 4 – aber emotional berühren tut das trotzdem alles nicht.

Bye, Bye, Tony Todd

Tony Todds letzter Filmauftritt vor seinem tragischen Tod Ende vergangenen Jahres funktioniert dagegen auf einer ganz anderen Ebene. Inhaltlich bringt er nichts Neues – sein Charakter bleibt so mystisch und nutzlos wie eh und je. Aber: Sein Abschied aus der Reihe mit seinem von schwerer Krankheit gezeichnetem Äußeren, seinem trotzdem noch festem Blick und seiner ikonischen Stimme hat etwas Wehmütiges.

Eine Figur, die immer mehr wusste als die anderen, verlässt das Franchise – und irgendwie ist das berührender als alles, was mit den Hauptfiguren passiert.

Die Eröffnungssequenz

Ein Sonderlob muss man der Eingangssequenz aussprechen. Der Turmeinsturz ist aufwendig choreografiert, gut geschnitten, visuell wuchtig – aber leider auch überfrachtet. Die Computerffekte kommt schnell an ihre Grenzen, einige Bewegungen wirken künstlich, manche Schocks verpuffen im Effektnebel. Weniger Spektakel und mehr Klarheit hätten der Szene gutgetan. Trotzdem: Im Vergleich zu manch früherer Eröffnung (Stichwort: NASCAR in Teil 4) ist das hier direkt zu Beginn ein großes Aufatmen!

Fazit: Bei allen Kritikpunkten kann man festhalten: Die „Final Destination“-Reihe lebt und es ist schön, dass sie wieder da ist. Nein, „Final Destination 6: Bloodlines“ ist kein allumfassend euphorisierendes Comeback auf dem Level der ersten beiden Filme und auch nicht so überraschend clever wie Teil 5. Aber er ist auch ganz, ganz weit weg von einem Totalschaden wie es der vierte Teil war. „Bloodlines“ ist ein Film, der weiß, was das Publikum will – kreative, abgedrehte, blutige Todessequenzen, die einfach nur großen Spaß machen. Und das liefert er!

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