Regisseur Osgood Perkins will viel – und erreicht mit seiner Horror-Comedy wenig
Erst 2024 überraschte Regisseur Osgood Perkins mit „ Longlegs “. „Einer der besten Horrorfilme des Jahres“, hörte man von überall. Das weltweite Einspielergebnis von 127 Millionen Dollar bei einem Budget von unter zehn Millionen untermauerte diese Aussagen zusätzlich. Als dann bekannt wurde, dass Perkins nur ein Jahr später mit „The Monkey“ seinen nächsten Schocker in die Kinos bringen würde – basierend auf einer Kurzgeschichte von Horror-Maestro Stephen King – war die Euphorie natürlich groß. Doch hohe Erwartungen können tückisch sein. Geht man völlig unvoreingenommen in „The Monkey“, könnte man zunächst positiv von der Eigenartigkeit des Films überrascht werden und Spaß daran finden. Doch selbst mit moderaten Erwartungen an Perkins' nächsten Streich dürften diese spätestens in der zweiten Hälfte des Films enttäuscht werden. Die Zutaten für einen gelungenen Horrorspaß sind zwar vorhanden, doch der Regisseur verdirbt das Ganze mit einer unausgewogenen Tonalität, die letztlich in Lächerlichkeit mündet.
Darum geht’s in „The Monkey“
Die Zwillingsbrüder Hal und Bill Shelburn (erst Christian Convery in einer Doppelrolle, dann Theo James) entdecken in ihrer Kindheit einen mechanischen Spielzeugaffen, der bereits ihrem Vater Unglück brachte. Der Affe scheint verflucht zu sein: Jedes Mal, wenn er zu trommeln beginnt, ereignet sich in ihrer Umgebung ein blutiger Todesfall. Die Brüder sind überzeugt, dass der Affe für das Unglück verantwortlich ist und schaffe es, ihn loszuwerden. Zumindest denken sie das. Jahre später haben sich ihre Wege getrennt. Als der verfluchte Affe unerwartet wieder auftaucht, werden alte Wunden aufgerissen: Die Todesfälle beginnen von Neuem, und der Spielzeugaffe führt das Schicksal der Brüder erneut zusammen.
Starker Start mit Adam Scott
Der Film beginnt intensiv: Pilot Petey Shelburn (Adam Scott, „Severance“) versucht verzweifelt, das Affenspielzeug loszuwerden. Hier zeigt sich Osgood Perkins’ Gespür für Atmosphäre: Die Kamera fängt jedes Zögern, jede schweißnasse Angst in Scotts Gesicht ein, während das Trommeln des Affen unheilvoll dröhnt. Diese subtile, unheilvolle Stimmung mündet dann aber schnell in ein Splatterfest, das mit Subtilität wenig am Hut hat und auch deswegen einen Heidenspaß macht!
Ein starker Auftakt – und auch der folgende erste Akt von „The Monkey“ weiß zu unterhalten: Jungschauspieler Christian Convery („ Cocaine Bear “) überzeugt ebenso wie Tatiana Maslany („She-Hulk“) als Mutter der Zwillinge. Der Humor sitzt, die Kills sind überdreht und blutig und vom Affen geht eine tatsächliche Bedrohung aus.
Nach dem Zeitsprung geht es bergab
Sobald der Film von der Vergangenheit in die Gegenwart springt, verliert er leider rasant an Atmosphäre. Die erwachsenen Brüder Hal und Bill (jetzt gespielt von Theo James) werden erneut mit dem Affen konfrontiert. Doch anstatt den morbiden, sarkastisch-psychologischen Horror fortzusetzen, verstrickt sich Osgood Perkins in überdramatisierten Familienkonflikten, die immer wieder von halbamüsanten bis lächerlichen Horror-Einlagen unterbrochen werden.
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Die Gewichtung ist hier das große Problem: Sowohl die Vater-Sohn-Dynamik zwischen Hal und seinem entfremdeten Sohn Petey (nervig: Colin O’Brien) als auch der Zwist zwischen den Brüdern nehmen zu viel Raum ein. Dazu drängt sich immer wieder das Thema Daddy Issues in den Film. Offensichtlich wollte Perkins seiner absurden Horror-Komödie mehr Tiefe verleihen, als sie verträgt (und verdient). Der Horror bleibt so zu oft auf der Strecke – und wenn er zuschlägt, dann meist wenig kraftvoll.
Wenn Horror ins Lächerliche kippt
Ein weiteres großes Problem von „The Monkey“ sind die Kills, die doch eigentlich das Highlight darstellen sollten. Wenn ein nicht überzeugend animierter Bienenschwarm in den weit geöffneten Mund einer Figur fliegt, bewegt sich das vom Schocklevel her irgendwo zwischen „Looney Tunes“ und der „Not the bees“-Sequenz aus „The Wicker Man“. Dass es wirklich mal richtig schön sabschig-kröselig-blutig wird und „The Monkey“ den Zuschauer zu schocken weiß, passiert eigentlich nur ein Mal – beim leider viel zu kurzen Schlafsack-Kill .
Die Darsteller können der Lächerlichkeit der zweiten Filmhälfte kaum entgegenwirken. Im Gegenteil: Das Drehbuch und Theo James lassen Bill, den zweiten erwachsenen Bruder, zur Karikatur verkommen. Statt Spannung entsteht aus dem Brüderduell unfreiwillige Komik.
Und dann gibt es noch Ricky (Rohan Campbell, „Halloween Ends“), eine der wohl überflüssigsten Nebenfiguren der Horrorgeschichte. Er erfüllt keinen anderen Zweck, als ins Jenseits befördert zu werden. Ach ja: und Daddy Issues . Eine Thematik, die Osgood Perkins wohl unbedingt in den Film quetschen wollte. Warum, bleibt sein Geheimnis.
Humor: Wenn er sitzt, dann sitzt er
Wenn „The Monkey“ schon nicht als Horror- oder Splatterfilm funktioniert, dann wenigstens als Komödie? Jein. Der trockene Humor ist einer der wenigen Lichtblicke des Films. Perkins lässt seine Figuren immer wieder unerwartete, tiefschwarzhumorige Kommentare abgeben. Eine Auflockerung ist inmitten des unfreiwilligen Humors zwar nicht mehr nötig – für den ein oder anderen Lacher sorgen die Dialoge aber dennoch.
Fazit: Es ist so schade. Osgood Perkins' Talent für Atmosphäre und bitterbösen Humor ist auch in „The Monkey“ erkennbar. Doch sein Drehbuch ist ein strukturelles Durcheinander: Die Tonalität schwankt zu stark und er versucht, zu viel Tiefe in einen Splatter-Comedy-Stoff zu drücken, der sie einfach nicht tragen kann. Statt einer cleveren, düsteren Stephen-King-Adaption bekommen wir einen Film, der sich nach einer Stunde in absurden Kills, überflüssigen Nebenfiguren und überdramatisierten Charakterkonflikten verliert.
Zum Glück gibt es das erste Drittel, das mit Adam Scotts intensiver Eröffnungssequenz, der gelungenen Dynamik zwischen Christian Convery und Tatiana Maslany sowie ein, zwei wirklich effektiven Schockmomenten noch zu gefallen weiß. Danach zerbröselt der Film jedoch zunehmend, bis man als Zuschauer nur noch ermattet im Kinosessel sitzt und sich fragt, ob man seinen eigenen Kopf nicht einfach auf die Trommeln des Affen legen und sich richtig schön das Hirn zermatschen lassen sollte.




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