Ein blutig-saftiger Festtagsbraten für hartgesottene Slasher-Fans
Die 80er Jahre waren die Hochzeit des Slasher-Kinos. Freddy schlitzte sich großmäulig und (ab Teil 3) mit tiefschwarzem Humor durch die Jugendzimmer, Jason und Michael verrichteten ihre Arbeit größtenteils schweigend und ohne den makabren Witz der „Nightmare“-Reihe. Wirklich ikonische Slasher-Bösewichte konnten sich danach nicht mehr etablieren – Art the Clown (David Howard Thornton) könnte nun aber in die großen Fußstapfen des Slasher-Triumvirats treten. Und das mit einer Symbiose aus dem grausamen Witz des späteren Freddy und der verstörenden Schweigsamkeit von Jason und Michael. Bereits das dritte Mal kehrt Art seit seinem Debüt im Episodenfilm „All Hallows‘ Eve“ von 2013 jetzt von den Toten zurück. Und genauso wie der dämonische Grimassenkiller selbst eine Hommage an das Horror-Kino der 80er Jahre ist, ist es auch der Film. Körniger Look, Synth-Score, handgemachte Effekte, Scream Queens, Final Girl und eine Story, die man mit der Lupe suchen muss – Regisseur Damien Leone lässt einen authentischen, klassischen Slasher auf das Halloween-Publikum los. Grenzen kennt er dabei – wie schon in den Vorgängern – keine. Ungeübtere Horrorfans naschen ihr Popcorn lieber zu „Smile 2“.
„Terrifier 3“ setzt die Geschehnisse von „Terrifier 2“ direkt fort. Sienna Shaw (Lauren LaVera) kämpft auch fünf Jahre nach ihren grausamen Erfahrungen mit Art damit, ein normales Leben zu führen. Sie hofft, die Weihnachtszeit bei ihrer Tante Jess (Margaret Anne Florence), deren Ehemann Greg (Bryce Johnson) und ihrer kleinen Cousine Gabbie (Antonella Rose) in Frieden verbringen zu können. Doch es kommt, wie es in einer Slasher-Reihe kommen muss: Auch das Abtrennen des Kopfes ist für Art nicht das Ende! Er kehrt zurück und hat diesmal eine Verbündete dabei – die entstellte, von einer dunklen Macht besessene Victoria Heyes (Samantha Scaffidi). Schnell zeigt sich, dass vor dem diabolischen Duo niemand sicher ist. Nicht einmal Kinder.
„Terrifier 3“ ist ein richtiger Kinofilm!
Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten: Regisseur Damien Leone hat sich als Filmemacher sichtbar weiterentwickelt. Die ersten beiden „Terrifier“-Teile bestachen zwar durch ihren brutalen Einsatz handgemachter Effekte, kamen jedoch im trashigen Digitallook daher und hatten ihre Schwächen in Timing und Schnitt – „Terrifier 2“ sich mit über 130 Minuten Länge teils schmerzhaft. „Terrifier 3“ hingegen ist optisch wie inszenatorisch eine extreme Steigerung. Mit einem Budget von zwei Millionen Dollar wirkt der Film wie ein „richtiger“ Kinofilm, was vor allem in der Kameraarbeit und den schön schmutzigen 80er-Jahre-Bildern sichtbar wird. Begleitet von einem klassischen Synth-Soundtrack, der an „Halloween“ und „A Nightmare On Elm Street“ erinnert, fühlt sich das Werk an wie eine nostalgische Rückkehr in die Ära, die das Slasher-Genre prägte.
Auch beim Schnitt steigert sich Leone merklich und beweist ein deutlich besseres Gefühl für Rhythmus und Timing. Zwar dauert auch „Terrifier 3“ wieder über zwei Stunden, aber wo in Teil 2 viel Leerlauf herrschte, gibt es diesmal nur ein paar wenige Szenen, die noch ein bisschen mehr Schliff bedurft hätten. Durch die absurd hohe Kreativität in den Splatter-Sequenzen, die bestimmt die Hälfte des Films ausmachen, kehrt nie Langeweile ein.
David Howard Thornton: Der Robert Englund des neuen Jahrtausends
Das Herz der „Terrifier“-Reihe besteht aus zwei Hälften: David Howard Thornton als Art the Clown und die wunderschön abstoßenden, handgemachten Splatter-Effekte. Thornton erweckt Art auch in Teil 3 wieder mit pantomimischer Körperlichkeit, grotesken Grimassen und eiskalten Blicken zum Leben. Wie einst Robert Englund mit Freddy Krueger verleiht Thornton Art einen furchteinflößenden, makabren Humor, der die Figur endgültig zu einem Kultschurken im modernen Horror macht. Er setzt dabei voll auf physische Präsenz und wortlose Mimik, irgendwo zwischen bitterbösem Spott und finsterem Sadismus.
Noch brutaler und kreativer: Die Kills in „Terrifier 3“
Doch was wäre ein Slasher-Killer ohne seine Kills? „Terrifier 3“ setzt in diesem Punkt neue Maßstäbe. Art verliert sich noch mehr als zuvor schon in seinen sadistischen Methoden und schlitzt, schlachtet, metzelt mit Kettensägen, Glassplittern und flüssigem Stickstoff. Die praktischen Effekte sind dabei trotz vielen Nahaufnahmen so authentisch, dass es weh tut. Leone bringt so Szenen auf die Kinoleinwand, die selbst hartgesottene Horror-Fans schockieren werden – Stichwort: Ratten.
„Terrifier 3“ – ein Weihnachtsfilm?
Das Weihnachts-Setting von „Terrifier 3“ unterstreicht die gesamte Skurrilität nur noch mehr. Die festliche Dekoration, die Lichter und die eigentlich besinnliche Atmosphäre stehen in scharfem Kontrast zu den blutrünstigen Taten von Art und seiner diabolischen Begleiterin. Die Kombination aus festlichen Symbolen und abgründiger erinnert an Weihnachts-Horrorklassiker wie „Silent Night, Deadly Night“, die unbarmherzige Grausamkeit lässt diese aber wie die x-te Wiederholung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ wirken.
Story? Nicht vorhanden
Wer eine wirkliche Geschichte erwartet, sollte sich den Gang ins Kino aber sparen. Die „Story“ dient weiterhin nur als Vorwand für die makabren Taten von Art. „Terrifier 3“ bietet keine narrative Tiefe, er ist ein ständiges Spektakel des Schreckens, eine Non-Stop-Tour-de-Force, die verstörendste Geisterbahnfahrt aller Zeiten. Neue Charaktere und Settings bieten frische Ansätze, sind aber auch nur da, um dem Clown und seiner Komplizin einen neuen Spielplatz für absurde Grausamkeiten zu bieten.
Fazit: Damien Leonie gelingt hier nicht nur der mit Abstand beste Film der Reihe und ein absolutes Fest für Splatterfans, sondern auch eine überraschend liebevolle Hommage an seine großen Vorbilder aus dem 80er-Jahre-Horrorkino. Kreative, abwechslungsreiche Kills mit fantastischen praktischen Effekten, ein Bösewicht, der sich spätestens jetzt seinen Ruf als neuer Kult-Killer verdient hat, morbider Humor, der die Gewalttaten sowohl auflockernd als auch noch verstörender macht – „Terrifier 3“ ist ein Triumph!
Trotz seiner Weihnachtsthematik ist „Terrifier 3“ natürlich genau das Gegenteil von einem Festtagsfilm für die ganze Familie. Hartgesottene Horror-Fans und Freunde des klassischen Slasher-Kinos bekommen dafür aber einen extrem schmackhaften, blutig-saftigen Festtagsbraten serviert.




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